Der weise Wick-Medicus

Wick-Medicus wurde als späte Folge eines Dänemark-Urlaubs der 69er ungefragt ins Leben geworfen. Er wuchs in einer Seitenstraße des Steffenswegs in Bremen-Walle auf, und trieb sich - zur Sorge seiner Eltern - in seiner Kindheit oft mit merkwürdigen Gestalten herum. Er war ein sehr ruhiges und anständiges Kind - bis er zur Schule kam. Ab wann er schreiben konnte ist nicht belegt, aber besonders auffällig war, dass er Zahlen häufig spiegelverkehrt zeichnete, und über eine unsaubere, kreativ anmutende, Handschrift verfügte. Das eine ?a? sah bei ihm nie wie ein anderes aus.

Im jungen Alter von sechs Jahren debütierte Wick-Medicus als ?Der alte Onkel Fritz? auf der Bühne. Schon früh befasste er sich mit Publikationen und veröffentlichte - auch unter Pseudonymen - erste Texte, auf der anderen Seite verdiente er sein Taschengeld mit dem Verteilen diverser Druckerzeugnisse; man vermutet dass in diesen Tatsachen ein früher Hang zu grafischen Arbeiten begründet liegt. Er zeichnete Überschriften, und lernte durch die Zusammenarbeit mit einem Designer bei einem lokalen Fernseh-Sender die urgrafischen Grundtechniken kennen.

Auf einem ehemaligen Mädchen-Lyzeum vertiefte er seine schreiberischen Neigungen und kam in Kontakt mit anderen KünstlerInnen und BühnenschaffendInnen. Eine sehr kreative und schöpferische Phase nahm hier ihren Ursprung. Erste dadaistische Inszenierungen und eigene Texte entstanden. Sein erstes dreidimensionales Kunstwerk vernichtete er mit einem auffälligen Happening - und er beschloss sich fortan den zweidimensionalen Kunstrichtungen zu widmen.

1989 wurde seine erste Komposition ?Über den Aufbruch zur Mündigkeit?, ein Werk für drei Chöre, uraufgeführt. Im gleichen Jahr wurde er ehrenhaft der Schulpflicht entledigt, um seine künstlerischen Neigungen weiterentwickeln zu können.

Er beschäftigte sich zunächst mit dem Tourismus, und sicherte sich erste Fans durch lustige Moderationen als unterhaltsamer Reiseleiter und Busfahrer. Leider schieden die meisten seiner Anhänger wenige Jahre später aus dem Leben.

Zur Kompensation dieser Tatsache folgten diverse Auslandsaufenthalte. Doch auch als er sich immer mehr der Reklame verschrieb, rissen seine Bühnenerscheinungen nicht ab. 1993 trat er das erste Mal gemeinsam mit seinem Weggefährten, dem großen Huhnini, mit einer dadaistischen Veranstaltung in das Licht der Öffentlichkeit, das er seitdem immer seltener verlassen hat. 1996 gründete er mit Huhnini die monatliche Veranstaltungsreihe, das KaFeDaDa, dem sich wenig später auch der leibhaftige W.Sermann anschloss. 1997 publizierten die Macher des KaFeDaDa unter dem Titel ?Machwerke, manische Skripte, Machart? die ersten dadaistischen Texte. Im selben Jahr legte sich Wick-Medicus das Attribut ?der weise? zu. 1999 verlieh ihm das ?Hollywood Institute of Fine Arts in the Fields? einen Doktortitel - auf den er allerdings keinen Wert legt, und den er daher nur selten benutzt. Im Rahmen des 17. dadaistischen Weltkongresses wurde ihm für ?Kleine Milli- eine lautlyrische Eskapade?der silberne Busen verliehen. 2001 platzierte er, nach einem Cuba Aufenthalt, 3 Ölgemälde in einer Galerie in Havanna. Am 31. Mai 2001 bekam er einen Montblanc Füllhalter geschenkt. 2002 inszenierte er in Cooperation mit Rolf Weber ?Ubu Rex?; außerdem Ausstellung der Photografischen Serie ?25 Aufnahmen von Weihnachtsbaümen im Juli? in der GaDeWe. Im Dezember 2002 erregte die dadafraktion mit ihrem Beichtstuhl im Rahmen der Ausstellung ARTvent allerlei Aufsehen. Das dadaistische Treiben des KaFeDada erregte auch ausserhalb der Landesgrenzen immer mehr Aufmerksamkeit. Und wenn sie nicht gestorben sind, treibens sie?s noch heute - ihr Unwesen.

Dr. August P. Rucki

Quellen: ?Bremen-brillant?, ?DuPont: Medicus - Leben und Werk?; ?Die Flegeljahre des Wick-Medicus?, ?Machwerke, manische Skripte, MachArt?, ?Bertelsmann Encyclopädie?, ?taz?, ?Waller Geschichten?, ?Die Welt?, ?X-Zeit?, ?Zett?

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